Stiller Zuhörer | German Fashion- & Lifestyleblog

Stiller Zuhörer


„Hey, wie geht’s dir denn so?“
„Geht so. Nicht so besonders…“
„Was los Süße?“


Und dann geht es genau 5 Minuten um mich. Danach darf ich mir anhören, dass bei ihr gerade alles wieder so stressig ist und der Freund Probleme macht. Dass sie jetzt bald Klausuren hat, die sie nicht schaffen wird – und dann sicher wieder mit einer eins oder zwei raus geht – und dass sie gesundheitlich auch etwas angeschlagen ist. Ich nicke verständlich und versuche das zu tun was eine Freundin eben tut. Ratschläge geben, aber ehrliche. Mich nur bei Sachen einmische, bei welchen ich wirklich helfen kann. Und ja auch ein bisschen das sagen, was sie hören will, denn ein bisschen Positives kann auch nie schaden.

Ich bin kein Mensch, welcher immer über sich und seine „Probleme“ reden muss. Ganz im Gegenteil, ich mag das überhaupt nicht, wenn ich anderen erklären muss, warum es mir jetzt „so schlecht geht“ und warum ich heute nicht gut drauf sein kann. Deswegen gehör ich zu der „alles ist super“-Fraktion und binde keinem etwas auf die Nase. Manchmal gibt es aber doch den einen oder anderen Moment, in dem ich mich gerne bei einer meiner Freundinnen ausheulen möchte. Ich bin mir sicher, ihr kennt das. Und dann überlegt man schon ewig hin und her, ob man der Person jetzt schreiben soll, weil man ja eigentlich niemanden mit seinen „Problemen“ auf den Wecker gehen will. Aber irgendwann hält man es nicht mehr aus. Reden hilft ja – heißt es zumindest immer.
Also entschließt man sich doch das Handy raus zu holen und der Besten zu schreiben/sie anzurufen. Sie fragt natürlich auch sofort was los ist und hat ein offenes Ohr. Erst einmal. Bis irgendwann der Satz fällt „Ja, das kenn ich! Bei mir war/ist das auch so…“ Und schon ist das eigene Thema vergessen und es dreht sich nur noch um die „Probleme“ der Freundin.
Versteht mich nicht falsch, ich bin gern für meine Freunde da und wenn sie ihr Herz bei mir ausschütten wollen, dann nehme ich mir Zeit und höre ihnen zu. Ohne ihnen nebenbei meine Geschichten auf zu binden. Klar fällt da mal so ein Satz wie „Das kenne ich“ oder „Das hab ich auch schon durchgemacht“ aber danach kommt nichts. Sondern dann wird wieder zugehört. Doch manchmal würde ich es auch ganz schön finden, wenn mir jemand zu hört. Ich will auch keine Ratschläge oder Sätze wie „Der hat dich gar nicht verdient“ oder „Du findest schon noch den Richtigen“ Ganz ehrlich! So etwas will doch keiner hören oder? Weil man es selber besser weiß. Ich hätte manchmal gerne einen schweigenden Zuhörer. Aber so etwas gibt es wohl nicht. Und dann frage ich mich jedes Mal wieder aufs Neue, warum ich der Person überhaupt davon erzählt habe. Es interessiert sie ja doch nicht. Ich weiß, das klingt hart und wahrscheinlich ist es den Leuten gar nicht bewusst, dass sie einen damit verletzen, aber vielleicht ist dies auch genau der Grund, warum ich mich so ungerne bei Leuten ausheule. Vielleicht habe ich auch deswegen wieder angefangen Tagebuch zu schreiben. Denn dort kann ich sagen, was ich möchte, ohne dass ich gleich einen Ratschlag dafür bekomme. Hier kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen, ohne dass es gleich heißt „Vergiss ihn!“ Vielleicht will ich ihn gar nicht vergessen. Nein, vielleicht will ich jetzt gerade 5 Seiten in meinem kleinen, grünen Büchlein über diese Person schreiben und mich danach 5kg Gedankengut leichter fühlen.

Ich liebe meine Freunde. Alle. Aber bei manchen weiß ich, dass ich mit bestimmten Geschichten nicht anfangen muss und dass sie mein Ohr wohl mehr brauchen, als ich ihres. Aber das tut man gern. Schließlich sind sie einem wichtig.

Der Spruch vom Titelbild ist übrigens nicht von mir, sondern aus einem Song geklaut:
© AnnenMayKantereit – Nicht Nichts
Unterschrift

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