Vergesst nicht zu leben | German Fashion- & Lifestyleblog

Vergesst nicht zu leben

„Heute geht es darum, den Absolventen darauf vorzubereiten, möglichst viel Geld zu verdienen. Und damit er während des Studiums auf keine anderen Gedanken kommt, baut man mittels Prüfungen und Verschulung möglichst viel Druck auf, unter dem er dann leidet.“
(Paul Pötsch – UniSPIEGEL Ausgabe 6/2014 S. 15)


Ich lese diesen Satz noch ein zweites Mal und überhaupt, würde ich am liebsten den ganzen Artikel noch einmal lesen. Irgendwie hat er ja recht mit dem was er sagt. Der junge Mann in meinem Alter, welcher Sänger einer Hamburger Band ist und harte Kritik an unserer Gesellschaft ausübt. Wir Studenten heutzutage sind nicht mehr das, was wir früher einmal waren. Früher sind die Studenten auf die Straße gegangen, haben ihren Mund aufgemacht und sie waren ein wichtiger Bestandteil, wenn es um Kritik an der Gesellschaft ging. Heute geht es nur noch darum, mit welchem Studiengang sich später am meisten Geld verdienen lässt. Studiert jemand etwas wie Kunstgeschichte, Philosophie, o.ä., ist alles, was derjenige zu hören bekommt: „Und was machst du dann später damit? Lässt sich damit anständiges Geld verdienen?“
Wenn ich da nur an mich selbst denke. Warum ich den Gedanken, Musik zu studieren, sofort wieder verworfen habe. Eben genau aus diesem Grund. Ich bereue es allerdings nicht, dass ich es nicht getan habe. Manchmal sollte man das Hobby einfach nicht zum Beruf machen.

Uns wird in der Vorlesung erzählt wie viel Geld wir später verdienen und was wir nicht für tolle Jobaussicht haben werden. Wir werden darauf ausgerichtet für die Prüfungen und nicht fürs Leben zu lernen. Verschult. Auch wenn das die Professoren nicht gerne hören, es ist so. War doch in der Schule auch so. Man behält sich zwar ein paar der gelernten Sachen, aber seien wir ehrlich, wirklich viel und hilfreich ist das auch nicht.
Einer meiner Dozenten hat uns immer daran erinnert, dass wir uns nicht zu „Prüfungsmaschinen“ erziehen lassen sollen. Wir sollen nicht vergessen zu leben. Sollen die Fähigkeit behalten uns für etwas zu interessieren und unsere Interessen nicht hinter den Vorlesungsinhalten zu stellen. Wenn ich so daran denke, weiß ich wieder, warum ich diese Vorlesung so gerne und oft besucht habe. Weil er einfach verdammt recht damit hat. Meine Vorstellung von studieren war immer, dass ich den ganzen Tag nur das tue was mir Spaß macht. Klar, ganz so traumhaft kann es nicht gehen. Ich will mich auch gar nicht beschweren. Ich habe das Glück, dass ich seit diesem Semester zu 90% Dinge lerne, welche mir Spaß machen und ich mich auch über die Vorlesungsinhalt hinaus damit befasse. Allerdings weiß ich nach nun doch 1,5 Jahren als Studentin immer noch nicht so wirklich, was ich von dieser Verschulung der Hochschulen und den Druck welcher durch die Prüfungen entsteht, halten soll. Bin ich damit alleine? Ich bezweifle es. Erst letzte Woche haben mein bester Freund (ebenfalls Student) und ich eine lange Diskussion darüber geführt. Einerseits ist es ja gut, dass da jemand ist, der dir sagt wo es lang geht und was du tun musst, um ein gutes Studium zu führen. Andererseits habe ich mich schon auf etwas Freiheit gefreut. Naja gut, die Freiheit sich aus zu suchen, ob man eine Vorlesung als sinnvoll oder sinnlos sieht – also ob man hingeht oder nicht – ist schon ziemlich nett. Bestehen muss man die Prüfung in diesem Fach trotzdem.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich zwar Text ohne Ende geschrieben habe, aber immer noch nicht meinen Standpunkt klar gemacht habe. Das kann ich auch gar nicht. Denn einerseits bin ich genau der gleichen Ansicht wie Paul Pötsch, dass wir einer Leistungsnorm unterworfen sind und übersehen, dass das Wichtige außerhalb des Hörsaals geschieht. Andererseits macht mir mein Studium so wie es läuft Spaß. Ich bin froh, dass ich gute Aussichten in Job und Gehalt habe. Und dafür lerne ich auch gerne, sogar Fächer, deren Sinn ich manchmal nicht ganz so verstehe. Trotzdem halte ich mir immer noch mein „Studiums-Motto“ bei: Ich richte mein Leben nicht nach meinem Studium, sondern mein Studium nach meinem Leben!

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Ein Kommentar

  1. denise

    toller blog, mich hast du als neue followerin sicher 🙂